21. Januar 1977

Keine besonderes Vorkommnisse. Wir sind schon mittags in den Schwarzwald gefahren. John hat meinen Brief bekommen, er hat den anderen daraus erzählt. Sie haben gelacht.

 
*Keine Ahnung was in dem Brief stand. Ich glaube es war nur ein „Hallo wie geht es euch“ Brief.

19. Januar 1977

Dieser Morgen war furchtbar. Ich hatte zur 2. Stunde  Schule und meine Schwester hat mich um halb acht geweckt doch ich bin wieder eingeschlafen und erst um 9.14 Uhr aufgewacht und die Stunde beginnt um zehn Minuten vor 9.00. Ich habe mich schnell angezogen. Doch ich wäre mir blöd vorgekommen wenn ich mitten in die Stunde geplatzt wäre, also bin ich ein bißchen in der Stadt rumgetrödelt. Ich wollte ja eigentlich nach Rüsselsheim fahren doch dazu war die Zeit zu knapp denn ich mußte um 13.00 Uhr wieder zuhause sein weil da die Schule aus ist. Ich bin schon früher nach Hause gegangen so ungefähr um 11.30. Dann habe ich 1 1/2 Cassetten aufgenommen. Steve hat mir geholfen (bis meine Schwester aus der Schule zurück war). Dann haben wir gegessen.

Plötzlich fingen Rudi und Willi an zu lachen. Dann erzählten sie uns, das Bernd gestern Abend in der Disco ein Mädchen angemacht hat, das er dann mit zu uns geschleift hat. Sie ist Zigeunerin und wohnt in Mainz. Sie ist 21 Jahre alt. Sie erzählt sehr gerne von sich. Bernd scheint nicht besonders viel an ihr zu liegen, denn er versucht sie los zu werden. (Der arme Kerl)

Den ganzen Tag hat es geschneit. Jetzt liegt viel Schnee überall. Am Nachmittag haben Karin, Barbara und ich eine Schneeballschlacht gemacht. Dann ist Barbara reingegangen und Karin und ich haben weiter gemacht. Auf einmal ist ein Fahrrad aufgetaucht mit einem Jungen – ich habe ihn nicht erkannt. Dann sagte mir Karin das es Siggi sein. Mit ihm kämpften wir auch noch ein Weilchen doch dann mußte er ins Training. Ab dann haben wir DJ gemacht, Steve, Barbara und ich. Um 22.00 Uhr hat Pappa weitergemacht. Wir sind dann mit Andy spazieren gegangen, es war sehr schön. Ich glaube als wir zurück gekommen sind und wir gerade vor der Küchentür standen wollte Andy mir irgendwas sagen. Er ist stehen geblieben doch ich bin reingegangen. (leider)

Dann sind wir ins Bett gegangen. Und jetzt schreibe ich. Wie verrückt!

Ich weiß auch nicht, jetzt denke ich fast nur noch an Andy nicht mehr an Rainer.

* Andy war einer der Musiker, die lange Zeit in unserem Hotel gewohnt haben, ebenso wie Steve. Damals war er 23 Jahre und ich habe mir wirklich überhaupt nichts dabei gedacht.   Kassetten aufnehmen war damals die einzige Möglichkeit sich Musik selbst zusammen zu stellen. Ich hatte dafür einen alten Kassettenrekorder, ein Mikro und ein Radio. Ständig wurde in die Songs reingeredet und die Qualität war unterirdisch, aber es war Musik.  *g*

18. Januar 1977

In der Mathearbeit habe ich eine 2. Mittags habe ich fast nur Automat gespielt – 2 mal hatte ich die Serie. Einmal habe ich 6 DM und einmal 7 DM gewonnen. Doch ich habe alles Geld wieder verspielt. Am Abend war es langweilig. Wir mußten DJ machen. Mit Bernd habe ich eine kleine Wasserschlacht gemacht. So um halb elf war eine Schlägerei im Saal, mit Männern aus Bonn. Ein blöder Tag. An Rainer habe ich fast gar nicht gedacht (Gott sei Dank).

17. Januar 1977

In der Schule haben wir heue eine Mathearbeit und eine Physikarbeit geschrieben. Meine Noten insgesamt sind nicht sehr gut aber auch nicht schlecht bis auf die 4rer. 

Mittags waren wir im Toom Markt. Dort war ein Komiker der hat eine Show gemacht aber wir haben ihn uns nicht angesehen. Nach dem Einkaufen haben wir im Pub DJ gemacht. Die Musiker sind zurückgekommen, sie waren 2 Tage in Stuttgart. Sonst war es ganz lustig heute. Ich hoffe das ich Rainer vergessen kann.

*“Die Musiker“ bezieht sich auf eine Band die längere Zeit in unserem Hotel gewohnt und von dort aus ihre Auftritte in Deutschland bereist hat. 

16. Januar 1977

Wir waren im Schwarzwald. Karin hat nicht mit Rainer gesprochen. Er hat eine Freundin die verheiratet ist und 2 Kinder hat. Sie ist 20 Jahre alt und er 21. Ich hasse sie! Im Schwarzwald war es langweilig. Es hat viel geschneit. Steve und Andy durften nicht mitfahren. Ich habe Andy 3 Tage lang nicht gesehen. Alles kommt mir so doof vor ich will nicht mehr leben. Doch in mancher Hinsicht ist das Leben ganz schön, aber sonst.

Rainer war am Freitag da (mit seiner Freundin) die haben den ganzen Abend nur geschmust. Von Robert bekomme ich einen Abzug von einem Bild mit dem Rainer und mir als wir noch zusammen gingen. Ich freue mich schon sehr darauf.

13. Januar 1977

Ich habe gestern nicht in das Tagebuch geschrieben weil es ein zu langweiliger Tag war. Die Tanzfläche ist fertig, sie ist ganz gut. Heute Abend waren die Mainzer (Katharina) da. Wir sind bis 2.00 Uhr aufgeblieben. 

Ich habe Angst vor morgen weil vielleicht Rainer kommt und Karin mit ihm spricht. Ich glaube er hält es für albern. Und ich glaube auch das er mich zu jung findet. Trotzdem habe ich ihn sehr lieb. Schlaf gut Rainer.

*Die Mainzer waren gute Freunde meiner Eltern. Wir kannten sie viele Jahre und sie hatten eine Tochter etwas älter als meine Schwester und ich.

11. Januar 1977

Aus Samstag wird wohl nichts, denn wir müssen übers Wochenende in den Schwarzwald. So ein Mist und ich hatte mich so auf Rainer gefreut. Ich könnte die Mutti umbringen. Ich kann Rainer dann noch eine Woche nicht sehen. Scheiß Schwarzwald. 

Sonst war es ein Tag wie jeder andere. Die Tanzfläche wird repariert deshalb ist die Schiebetür zu. Steve macht Discj. und Andy macht Serivce. Jetzt male ich (siehe letzte Seite). Gute Nacht Rainer!!

 

10. Januar 1977

Der erste Schultag war eigentlich gar nicht so schlimm. Als ich heim gekommen bin habe ich  gegessen, Aufgaben gemacht und einkaufen bin ich gegangen. Dann habe ich mich gebadet und dann bin ich ins Bett. Ziemlich langweiliger Tag. Ich freue mich auf Samstag. Denn da kommt ganz bestimmt der Rainer. Hauptsache ich kann ihn einmal sehen. Nacht.

8. + 9. Januar 1977

Ich schreibe erst heute rein weil ich gestern zu müde war. Gestern ist meine Mutter in den Schwarzwald gefahren und hat unser Zimmer eingerichtet, sie ist bis heute abend geblieben (leider). Wir waren zwar froh das sie einmal weg war aber als sie wiederkam war ein großes Theater weil überall ein bißchen Unordnung war. Am 8. war der Rainer da, Karin hat ihn gefragt ob er mich noch gern hat und er hat gesagt „Warum nicht?“ Und daraus soll man klug werden. Wenn er wüßte das ich ihn auch noch sehr gerne habe ich glaube es würde noch einmal klappen zwischen uns. Bestimmt.

Ich bin erst um 16.00 Uhr aufgestanden. Den ganzen Mittag waren meine Oma + Opa mit Meli da. Ich habe oft an die Schule und an Rainer gedacht. Ich habe ihn ja sooo lieb!!!

Gott sei Dank hat Mutti den ganzen Abend Fern gesehen. Da konnten wir wenigstens ein bißchen tanzen. Heute war Rainer auch da und er hat mich oft angesehen. So zart. Wir, Barbara, Steve und ich haben bis 19.00 Uhr Discjockey gemacht. Andy hat mich oft angelächelt. Mit Karin hab ich oft getanzt. Dann sind wir alle drei in die Küche gegangen. Und da ging es los. Mutti war unten und fing gleich an zu meckern wie immer. Sie sagte wir hätten ruhig einmal spülen können. Also mußten Steve und ich spülen, Barbara war hochgegangen. Eigentlich machte es Spaß. Doch noch immer hielt Mutti Moralpredigten. Wie immer. Sie gab uns, Barbara und mir 1 Woche lang das Verbot runterzugehen. (Ich denke gar nicht daran.) Das hat mich sehr aufgeregt am liebsten hätte ich sie angeschrieen, aber ich ließ es lieber. Dann mahnte sie uns ein paarmal wir sollten ins Bett gehen wegen der Schule. Wir gingen also hoch. Ich bin nun sehr traurig weil ich Rainer nicht mehr sehen konnte.

Ich schaute eine Weile aus dem Fenster und plötzlich kam Rainers Wagen die Straße lang. Ich war dem Herzschlag nahe, rannte zu einem anderen Fenster und öffnete es. Nach kurzer Zeit erschien Rainer an der Treppe, ich hoffte das er einmal hochschauen würde doch er ging ohne zu schauen rein. Ich wartete noch eine Weile ob er vielleicht doch noch mal rauskommen würde doch er kam nicht und jetzt liege ich im Bett und schreibe in mein Tagebuch. Morgen haben wir wieder zum ersten mal Schule.

*Im Schwarzwald hatten meine Großeltern ihr Altersdomizil gefunden und waren dabei zu renovieren. Da das Haus groß genug war, durften wir auch ein Zimmer einrichten um dort zu übernachten zu können.

Randbemerkungen

Ich habe festgestellt, das vieles in den Tagebüchern – für Menschen die mich nicht kennen – verwirrend und unverständlich ist, deshalb werde ich hin und wieder versuchen, Zusammenhänge zu erklären und Licht ins Dunkel zu bringen.

Die Ausgangssituation ist folgende:   14 Jahre alt, eine ältere Schwester, dominante Mutter und distanzierter Vater. Zum Zeitpunkt der ersten Einträge hatten die beiden ein Hotel/Pub/Restaurant gepachtet und meine Schwester und ich halfen dort manchmal aus. Schon beim ersten Beitrag habe ich gemerkt das ich gerne aus heutiger Sicht etwas dazu sagen würde und das tue ich auch. Die Anmerkungen kommen an den Schluß des Eintrags und werden entsprechend gekennzeichnet.

Interpunktion war damals wohl nicht meine Stärke und ich bitte um Nachsehen. 😉